Schon als Kind zieht Jonas mit seinen Eltern nach Freiburg im Breisgau. Obwohl diese Stadt bekanntlich viele Sonnenstunden im Jahr aufzuweisen hat, kann man einen sonnigen Charakter nicht zu J.A.W.s Hauptmerkmalen zählen – im Gegenteil. Als Kind macht er im Umgang mit Altersgenossen einige schmerzhafte Erfahrungen, die er später auch oft in Liedern thematisiert. Im pubertären Reifeprozess wächst aus diesen Erfahrungen, in Verbindung mit dem Unverständnis der hilflosen Eltern etwas heran, was die Ärzte Jahre später als ADS und schwere Depressionen diagnostizieren werden.
Zunächst führt er jedoch zumindest nach außen hin ein völlig normales Leben. Er lässt sich von Eminem inspirieren, und nach einem ordentlichen Abitur 2003 folgen erste Gehversuche mit eigener Musik: Die EP “Seelensturm” gibt schon deutliche Einblicke in das zerrüttete Innenleben von J.A.W., wie er sich von nun an nennt. Das Kürzel hat mit dem bekannten Horrorfilm nicht im geringsten etwas zu tun, sondern steht für die drei Vornamen des Rappers: Jonas Andre Willy.
Im gleichen Jahr findet er mit DJ Tjoma und den Brüdern Maexer und Rynerrr Schrott drei Seelenverwandte, die die weitere musikalische Karriere maßgeblich beinflussen. Der Name “Projekt Chaos Punks” ist schnell gefunden, und bereits Ende des Jahres, J.A.W. absolviert gerade seinen Zivildienst in Heidelberg, erscheint das Crew-Debüt “Nimm’s Und Verreck Dran”, dessen Titel die lyrischen Inhalte eigentlich schon recht gut verdeutlicht. Aber auch ein weiterer wichtiger Grundstein wird 2003 gelegt: Der Start J.A.W.s in der Reimliga Battle Arena, kurz RBA.
Der Bibel gemäß folgen die sieben mageren Jahre auf die sieben fetten, mit Rappern scheint der Allmächtige oftmals weniger gnädig zu sein: 2004 zieht Enderle zurück ins Breisgau, findet keine Ausbildungsstelle und hängt herum, die jahrelang mitgeschleppten Probleme vergiften währenddessen munter das Gehirn. Bis zum völligen Zusammenbruch: Ende 2004 lässt sich J.A.W. freiwillig in die Klinik einweisen. “Ich hatte Angstattacken, und traute mich nicht mal mehr, mit Freunden wegzugehen. Wenn man Depressionen hat, neigt man zur Universalverteufelung, als habe eine dunkle Macht das Hirn besetzt.” Trotzdem hält er am Rap fest, und battelt sich in der RBA stetig weiter nach oben. “Ich weiß nicht, ob es mir durch Rap besser ging, aber es gab mir das Gefühl, jemand zu sein.” Das, Betreuung durch mehrere Ärzte und die maximale Medikation von Antidepressiva bringen den Rapper langsam wieder auf den Weg der Besserung. Es gibt ein Feature auf Mob Incs “Symbiose Des Bösen” und eines auf Taichis “Schnell Imbiz”, einem Bekannten aus der RBA. 2005 hat sich der Freiburger auch wieder so weit gefangen, dass er ein Studium der Musikwissenschaften beginnt.
Im Jahr 2006 erscheint dann sein Debütalbum “Schock Fürs Leben” auf Rapz Records, in dem er sein Leben und die Gedanken der heftigsten Phase seiner Krankheit Revue passieren lässt. Features gibt es von den Kollegen von PCP und der Crème de là Crème der RBA: Mr Chissman, boZ, Ezy, Kaspah Hausa, Plasti und Labelkollege Hollywood Hank, die Beats sind alle selbstgemacht. Die Juice beweist ein gutes Auge und kürt die CD im Juli gar zur Demo des Monats. Kollege Rynerrr folgt dann übrigens drei Monate: Sein Album “Symptome” schafft es gar zur Demo des Jahres, und spätestens ab diesem Zeitpunkt ist jedem halbwegs interessierten Rapfan klar, dass Freiburg musikalisch mehr zu bieten hat als das Zelt-Musik-Festival und Rapkilla. Ende des Jahres stellen der Bewunderer von Skandal-Regisseur Gaspar Noé J.A.W. und sein Collabo-Partner Me$$age dann noch die EP “Zwischen Chemie Und Wahnsinn” zum kostenfreien Download ins Netz.
Der feinsinnig-ironische Humor des Rappers tritt, nachdem er Jahre lang wegen seiner Krankheit nur mal zwischen den Zeilen aufblitzte, 2007 endlich voll zu Tage: Unter dem Pseudonym Konnegah veröffentlicht er eine göttliche Parodie auf den Selfmade-Rapper Kollegah, ebenfalls einem Bekannten aus der RBA. Er schießt zwar derart über sein Ziel heraus, dass sich der in dieser Hinsicht etwas steife Mainzer Rapper Separate von ihm gedisst fühlt – der Rest der Szene, inclusive Kollegah, feiern den fünf Tracks starken MySpace-Auftritt allerdings gebührend (auch wenn J.A.W. den auf Separate gemünzten Track auf dessen Forderung hin löscht). Ein idealer Appetizer für das nächste Release: Das Mixtape “Gehirn Im Mixer” wartet im März 2007 mit 25 völlig kompromisslosen Tracks auf, disst das peinliche Auftreten der Restszene und hat nach Aussage des Künstlers den Anspruch “der Welt ins Gesicht zu schreien, was sie nicht hören will.”
JAW
Patienten aufgepasst: Hier kommt DOKTOR JOTTA
Audioplayer
-
-









